Ökumenischer Rat der Kirchen
ZENTRALAUSSCHUSS
Genf, Schweiz
26. August - 2. September 2003
Dokument Nr.
GEN 12 Angenommen
Zur Beschlussfassung
Erster Bericht des Programmausschusses
1. Einleitung
Der Vorsitzende hieß die Mitglieder des Programmausschusses zu der Tagung willkommen und begrüßte in ihrem Namen Geneviève Jacques als neue Programmdirektorin.
Der Programmausschuss wurde daran erinnert, dass die folgenden Angelegenheiten auf seiner Tagesordnung standen:
1. Entgegennahme des
Tätigkeitsberichts
und Stellungnahme dazu.
2. Entgegennahme der
Berichte der Kommissionen und Beratungsgremien
und Stellungnahme dazu.
3. Vorbereitung der
Evaluierung vor der Vollversammlung
.
4. Überprüfung und Vorlage der
Empfehlungen zur Programmplanung 2003 – 2005
.
Der Programmausschuss setzte die erweiterte Kerngruppe, die auf der letzten Tagung des Zentralausschusses nominiert worden war, zusammen mit den Berichterstattern als Lenkungsausschuss für die Dauer dieser Tagung ein.
Der Programmausschuss setzt die Entwicklung geeigneter Arbeitsmethoden für die Erfüllung der Aufgaben fort. Rundtischgespräche zu einzelnen Programmen, in denen Ausschussmitglieder mitarbeiten oder mit deren Thematik sie vertraut sind, ermöglichten fundierte Diskussionen.
Der Programmausschuss geht davon aus, dass es seine Aufgabe ist, Programmprioritäten zu setzen. Daher erwartet er, dass die Teams gebührend zur Kenntnis nehmen, wenn er in Dokumenten, die vom Zentralausschuss entgegengenommen werden, Programme, Aktivitäten oder Schwerpunkte
bestätigt
.
2. Neue interne Organisation des ÖRK
Der Programmausschuss
nahm
eine Power Point-Präsentation
zur Kenntnis
, die eine Einführung in die neue interne Struktur des ÖRK bot. Besonders eingehend erläutert wurden die Beziehungen des ÖRK zu ACT (Kirchen helfen gemeinsam), ENI (Ökumenischer Nachrichtendienst) und EAA (Globales Ökumenisches Aktionsbündnis). Der ÖRK hat derzeit 14 Kernprogramme, denen jeweils mehrere Aktivitäten angegliedert sind. Darüber hinaus arbeitet er eng mit zwei internationalen ökumenischen Initiativen zusammen. Diese sind am Anfang des „Blue Book
“ Working Together – Making a Difference
(Zusammenarbeiten - Veränderungen bewirken) (GEN 7) aufgelistet.
Der Programmausschuss
gibt seiner Dankbarkeit
für die im Rahmen der internen Reorganisation geleistete Arbeit
Ausdruck
. Er begrüßt die klare Darstellung der Programmarbeit des Rates und freut sich, hierzu auch einen Beitrag geleistet zu haben.
3. Tätigkeitsbericht 2002-2003 und Berichte der Beratungsgremien
Der Tätigkeitsbericht 2002-2003 (GEN 6) wurde vorgelegt. Er nennt Beispiele für Arbeitsbereiche, in denen der ÖRK Veränderung bewirkt hat, sowie Beispiele für spezifische Herausforderungen in der Programmarbeit. Nach der gleichen Methode gingen auch die detaillierten Rundtischgespräche über alle Programme vor.
Der Ausschuss
nahm
den Tätigkeitsbericht entgegen und
leitet
ihn zur Entgegennahme an den Zentralauschuss
weiter
; er
dankt
allen Teams für die Art und Weise, wie sie mit den Veränderungen und Einschnitten im Personal- und im Finanzbereich zurechtgekommen sind. Obwohl dies ein Jahr des Übergangs gewesen ist, ging die Programmarbeit des ÖRK weiter voran, und dafür gilt allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen tief empfundener Dank.
Der Ausschuss nahm schriftliche und mündliche zusammenfassende Berichte von den Beratungsgremien entgegen, die seit der letzten Tagung tätig geworden sind. Ihnen wurde nochmals Zeit eingeräumt, um sich an Runden Tischen weiter beraten und dem Zentralausschuss spezifische Informationen und Empfehlungen vorlegen zu können. In Fällen, in denen die Beratungsgremien zusammengekommen sind, liegen zwangsläufig mehr Informationen vor.
Im Folgenden eine Zusammenfassung der Diskussionen über die Programme sowie gegebenenfalls auch Empfehlungen:
3.1 Stärkung der einen ökumenischen Bewegung
Dieses Programm wird im Wesentlichen vom Generalsekretariat durchgeführt und wird an anderer Stelle erläutert.
3.2 Pflege der Gemeinschaft der Kirchen und Die Gemeinschaft vermitteln
Der ÖRK bewirkt Veränderung, wenn er gleichzeitig die Kirchen in seine Arbeit einbezieht und die Gastfreundschaft auch auf Nichtmitgliedskirchen ausdehnt. Die Herausforderungen in diesem Zusammenhang sind eindeutig zu formulieren, und sich bewusst zu sein, dass wir nicht unbedingt dasselbe meinen, wenn wir häufig verwendete Begriffe wie „Gemeinschaft“ und „Einheit“ gebrauchen.
Der Ausschuss
ermutigt
den ÖRK, die Mitgliedskirchen gezielter dazu aufzurufen Berichte und Geschichten aus ihrem eigenen Erfahrungsbereich in seine Programmarbeit einzubringen. Hilfreich wäre es auch, wenn Mitglieder des Zentralausschusses und der Kommissionen und Beratungsgremien mehr an ÖRK-Veranstaltungen mitwirken würden. Der ÖRK-Stab wird ermutigt, Zentralausschussmitglieder einzuladen, den ÖRK in verschiedenen Foren zu vertreten und darüber Bericht zu erstatten. Es sollte überlegt werden, wie Besuche gefördert und kirchliche Verantwortliche und Ökumenereferenten/-referentinnen motiviert werden können, mehr Beiträge zu leisten und mehr mitzuarbeiten. Angesichts der positiven Erfahrungen anlässlich der Tagung des Zentralausschusses im Februar 2001 in Potsdam wird das Team für Information und Öffentlichkeitsarbeit
ersucht
, die Möglichkeit weiterer Workshops zu prüfen, in denen sich Mitglieder des Zentralausschusses, der Beratungsgremien und des ÖRK-Stabs mit Technologien der Kommunikation der Arbeit des ÖRK vertraut machen können. Der Ausschuss
begrüßte
die Einrichtung elektronischer Informationsträger, insbesondere der Webseite
www.ecuspace.net
.
3.3 Ökumenisches Institut Bossey
Zu den Tätigkeiten, die eine Veränderung bewirkt haben, gehörte hier der Aufbau eines Master-Programms, die Einführung eines Doktorandenprogramms sowie umfangreiche Renovierungsarbeiten an den Institutsgebäuden. Der Ausschuss begrüßte die Einsetzung der Bossey-Verbindungsgruppe, die den Kontakt zwischen ÖRK- und Bossey-Stab sicherstellt und die offenbar gut funktioniert. Insbesondere wurde hingewiesen auf die zunehmende Vernetzung Bosseys mit ökumenischen Einrichtungen in aller Welt. Die Herausforderungen für Bossey sind: die Betonung der interreligiösen Begegnung und die Entwicklung ökumenischer Spiritualität als integrale Bestandteile ökumenischer Ausbildung. Der Ausschuss
bestätigt
beide Initiativen.
3.4
Dialog mit Nächsten anderer Religionen
Ein wichtiges Arbeitsergebnis, mit dem Veränderungen bewirkt worden sind, waren die Leitlinien zum interreligiösen Dialog. Eine Herausforderung liegt darin, durch die Veröffentlichung und weite Verbreitung sicherzustellen, dass diese Leitlinien angewandt werden. Die Leitlinien werden den zahlreichen Gruppen, die in dieser kritischen Zeit im christlich-muslimischen Dialog engagiert sind,
empfohlen
.
3.5
Ökumenischer Schwerpunkt Afrika
Zu den Initiativen, die Veränderung bewirkt haben, gehört die Unterstützung von Friedensprozessen in Afrika. Der Programmausschuss
bestätigt
die Bedeutung des Ökumenischen Arbeitsschwerpunkts Afrika, der sich in Zusammenarbeit mit dem Team für internationale Angelegenheiten und der Dekade zur Überwindung von Gewalt weiterhin mit Problemen im Zusammenhang mit dem anhaltenden Konflikt im Sudan befasst, der im Jahre 2003 den Schwerpunkt der Dekade bildet. Der Programmausschuss bittet darum, dass in Zusammenarbeit mit den Kommunikationsteams und dem zuständigen Regionalreferat zusätzliche Anstrengungen insbesondere in Bezug auf den Sudan unternommen werden, um die Rolle der Kirchen in der Friedensarbeit, in Heilung und Versöhnung herauszustellen.
3.6
Dekade zur Überwindung von Gewalt (DOV)
Ein wichtiges Arbeitsergebnis, mit dem Veränderungen bewirkt worden sind, war die Einführung eines regionalen und thematischen Schwerpunkts für jedes Jahr. Insbesondere
nahm
der Programmausschuss
zur Kenntnis
, dass das Ökumenische Begleitprogramm in Palästina und Israel, das 2002 im Rahmen des Jahresschwerpunkts der Dekade ins Leben gerufen worden war, als Modell dienen kann, da es die Kontinuität von Programmen zeigt, die im Kontext der Dekade initiiert wurden. Es wäre nützlich, aus jedem Schwerpunkt Erfahrungen zu sammeln und Schlüsse zu ziehen. Eine Zusammenstellung der in den Jahren der Dekade gemachten Erfahrungen könnte den Kirchen eine nützliche Hilfe sein.
Der Dekade-Schwerpunkt bietet Gelegenheit für Begleitung durch Liturgie und Fürbitte, indem er vergessenes oder ignoriertes Leiden und Kämpfen in den Blickpunkt rückt und gleichzeitig die Hoffnung feiert und friedensbildende Maßnahmen unterstützt. Schwerpunkt in diesem Jahr (2003) ist der Sudan mit dem Thema Heilung und Versöhnung. Dieses Thema wird auf verschiedenen konfessionellen und ökumenischen Versammlungen behandelt. Daneben hilft ein solcher Schwerpunkt den Kirchen, ihre Solidarität auf unterschiedliche Weise zu zeigen; er erhöht die Aufmerksamkeit von Kirchen in der ganzen Welt und gibt den Kirchen in der betroffenen Region die Gewissheit, in Gebet und Tat begleitet zu werden.
Auf der Grundlage der Empfehlungen der Weisungsgruppe und der oben angestellten Überlegungen
empfiehlt
der Programmausschuss dem Zentralausschuss, die geographischen Schwerpunkte der Jahre 2004 – 2006 wie folgt festzulegen, damit sich die Kirchen in den betroffenen Regionen an der Planung und Vorbereitung beteiligen können:
·
2004 USA
·
2005 Asien
·
2006 Lateinamerika
Anhang 1 zu diesem Bericht enthält Hintergrundinformationen zum Vorschlag für geographische Schwerpunkte. Für die Jahre nach der Vollversammlung kann der Zentralausschuss andere Erdteile auswählen, z.B. Europa.
3.7
Einheit der Kirche
Wichtige Arbeitsbereiche, in denen Veränderungen bewirkt worden sind, waren die Vorbereitung der EDAN-Erklärung über Menschen mit Behinderungen; die Suche nach Möglichkeiten, wie man den Kirchen helfen kann bei der Diskussion über Themen, über die es sich manchmal schwer reden lässt, wie Fragen der menschlichen Sexualität und ethnischen Identität. Mit Freude wurde zur Kenntnis genommen, dass ein Großteil der Arbeit dieses Programms in Zusammenarbeit mit anderen Programmen geschieht.
Herausforderungen liegen darin, wie man Möglichkeiten finden kann, die Diskussion auf nationaler, regionaler und konfessioneller Ebene aufrechtzuerhalten und gegenseitige Verantwortung im laufenden Überlegungsprozess zu übernehmen.
Der Programmausschuss
nahm anerkennend
eine aktuelle Fassung der Pläne für die bevorstehende Plenartagung der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung vom 28. Juli bis 6. August 2004 in Kuala Lumpur
entgegen
. Er erkannte an, dass das Thema „Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob“ (Röm 15,7) einen Rahmen bietet für substanzielle Diskussionen über Ekklesiologie, Taufe und Studien zur ethnischen Identität; außerdem ergänzt es das Thema der bevorstehenden Weltmissionskonferenz. Der Programmausschuss
begrüßte
die Pläne, parallel zur Plenartagung der Kommission eine Konsultation jüngerer Theologinnen und Theologen abzuhalten.
Der Programmausschuss
begrüßte
die Reflexion über die Arbeit der Sonderkommission wie auch die Vorbereitungsarbeit für eine Erklärung an die Neunte Vollversammlung des ÖRK zum Thema „Die Kirche lokal und universal, eins und verschieden “.
3.8
Ökumenische Anwaltschaft und friedliche Lösung von Konflikten
Wichtige Arbeitsbereiche, in denen Veränderungen bewirkt worden sind, waren die öffentlichen Erklärungen des ÖRK und ihr Einfluss auf die internationale politische Diskussion. Der Programmausschuss
begrüßt
insbesondere die in den Bereichen Menschenrechte und Straffreiheit, friedliche Beilegung von Konflikten und Kriegen sowie die zum Thema Abrüstung geleistete Arbeit wie auch die verstärkten Bemühungen um ökumenische Anwaltschaft bei den Vereinten Nationen, zu denen die Vollversammlung in Harare aufgerufen hatte. Die öffentlichen Erklärungen des Rates zeigen Wirkung, weil sie sich auf konkrete Erfahrungen der Kirchen vor Ort stützen. Die Herausforderung besteht darin, wie die Kirchen Veränderungen in der Politik bewirken können, indem sie klar und konsequent mit einer Stimme sprechen.
Der Programmausschuss nahm den Bericht der erweiterten Vorstandstagung der Kommission der Kirchen für internationale Angelegenheiten (CCIA) entgegen, die die Leitungsgremien des ÖRK zu Fragen von öffentlichem Interesse berät. Der Programmausschuss unterstützte alle dort gemachten Vorschläge und
bittet den Ausschuss für öffentliche Angelegenheiten
, die folgenden Anmerkungen zu berücksichtigen:
·
Der Bericht über „Der Schutz bedrohter Völker in Situationen bewaffneter Gewalt: auf dem Weg zu einem ökumenischen ethischen Ansatz“, der auf der nächsten Vollversammlung des ÖRK vorgestellt werden soll, sollte im Rahmen der Dekade und in Abstimmung mit der Weisungsgruppe der Dekade vorbereitet werden.
·
Es sollte erwogen werden, die Themen Sudan (angesichts des aktuellen Dekadeschwerpunkts) und Ruanda (angesichts der derzeit stattfindenden Wahlen und der Ausstellung im Foyer des Ökumenischen Zentrums) in seinem Bericht zu berücksichtigen.
3.9 Mission und Evangelisation: den Dienst der Versöhnung stärken
Zu den Aspekten der Arbeit, die Veränderungen bewirkt haben, gehörte die Art und Weise, wie das Thema der nächsten Konferenz für Weltmission und Evangelisation von den Mitgliedskirchen, angegliederten Einrichtungen, interessierten Parteien und dem breiten Spektrum von Teilnehmern/innen an den Konferenzvorbereitungen angegangen und erforscht wurde.
Herausforderungen sind, dass der missiologische Schwerpunkt auf Versöhnung und Heilung seine zentrale Bedeutung behält, wobei die
International Review of Mission
eine wichtige Rolle zu spielen hat, dass die Aktivitäten im Bereich Evangelisation nicht vernachlässigt werden und dass die Mitgliedskirchen auch weiterhin in die Lage versetzt werden, in der Frage des Proselytismus zusammenzuarbeiten.
Der Programmausschuss
begrüßt
, dass er über die Pläne für die bevorstehende Konferenz für Weltmission und Evangelisation auf dem Laufenden gehalten wurde, die auf Einladung der Kirche von Griechenland und in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche von Griechenland und anderen Mitgliedskirchen des ÖRK sowie zusammen mit der römisch-katholischen Kirche von Griechenland, die in den lokalen Planungsausschüssen mitarbeiten wird, vom 12.-19. Mai 2005 einschließlich in Athen stattfinden wird. Veranstaltungsort und –termin sind mittlerweile bestätigt worden. Er
stellte fest
, dass das Thema „Komm, Heiliger Geist, heile und versöhne“, das den oben erwähnten thematischen Fokus ergänzt, die Aufforderung des letztjährigen Zentralausschusses nach einer pneumatologischen Schwerpunktsetzung aufgreift. Ausführliche Informationsschreiben, verbunden mit der Einladung, Delegierte für die Konferenz zu nominieren, sind an alle Mitgliedskirchen und angegliederten Einrichtungen gegangen. Die laufende Vorbereitungsarbeit für die Konferenz wird aus den Sonderrückstellungen für die Konferenz finanziert.
Der Programmausschuss
stellte fest
, dass die Kommission das Ersuchen des Zentralausschusses 2002, zu der Konferenz auch Vertreter/innen anderer Glaubensgemeinschaften einzuladen, sorgfältig erwogen hat. Der Ausschuss
begrüßte
den Beschluss, eine begrenzte Anzahl von Menschen anderer Religionen einzuladen, die bereits gemeinsam mit Christen Heilungs- und Versöhnungsarbeit leisten.
Der Programmausschuss
begrüßte,
dass der Reformierte Ökumenische Rat den in der Satzung der Konferenz vorgesehenen Beraterstatus bei der Konferenz erhalten hat.
3.10 Ökumenische Bildungsarbeit als Herausforderung
Zu den Arbeitsbereichen, die Veränderung bewirkt haben, gehörten das interreligiöse Lernen, die wichtige Arbeit von Oikosnet und die Arbeit der Regionalberater/innen für ökumenische theologische Ausbildung. Die Konferenz zur „Fortsetzung der Reise der Hoffnung“, die im September 2002 in Johannesburg (Südafrika) stattgefunden hatte, hatte rd. 100 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus Afrika zusammengebracht, um über die Erneuerung der theologischen und ökumenischen Ausbildung in der Region zu diskutieren. Zu den Herausforderungen zählen: Einrichtung theologischer Ausbildungsmöglichkeiten für Kirchenleiter/innen und Vertreter/innen kirchlicher Einrichtungen, Bereitstellung von Materialien für Ortsgemeinden für deren ökumenische Sensibilisierung. Der Ausschuss
hob
die besonderen Beiträge und Bedürfnisse von Frauen in der theologischen Ausbildung, insbesondere im Blick auf das Kirchesein,
hervor.
3.11 Ethik des Lebens und Alternativen zur Globalisierung
Zu den Arbeitsbereichen, die Veränderung bewirkt haben, gehörten die ökumenische Bildungsarbeit für die Jugend, die wichtige Arbeit des Netzwerks der ökumenischen Anwaltschaft für behinderte Menschen, die Arbeit an Alternativen zur Globalisierung, Begegnungen mit dem IWF und der Weltbank und Diskussionen mit Kirchen in den Regionen über die Auswirkungen der Globalisierung.
Der Ausschuss
bestätigt
die neuen dezentralisierten Arbeitsmethoden des JPC-Teams, wie z.B. beim Programm für indigene Völker, Überwindung von Gewalt gegen Frauen im Rahmen von DOV, Klimawandel, ökologische Schulden und EDAN. Der Ausschuss
erkennt an,
dass die zentrale Herausforderung darin besteht, die Verbindung zwischen den dezentralisierten Programmen aufrechtzuerhalten und zu gewährleisten, dass diese Programme in der Arbeit des Rates sichtbar bleiben.
3.12
Diakonie und Solidarität
Zu den Arbeitsbereichen, die Veränderung bewirkt haben, gehörten Kompetenzbildung und Managementinitiativen in den Regionen sowie die Arbeit mit Kindern. Der Ausschuss
bekräftigte
die zentrale Bedeutung der Diakonie im Leben des Rates wie auch die Notwendigkeit, die Kirchen bei ihren diakonischen Aufgaben zu begleiten. Als Grundlage für die künftige diakonische Arbeit
regt er
zu weiterer Reflexion und Analyse angesichts des sich wandelnden Kontexts
an
.
Der Ausschuss
unterstreicht
, dass die Möglichkeiten, die durch die Verlagerung der Regionalreferate geschaffen worden sind, weiter untersucht werden müssen. Er erkennt an, dass die Verlagerung der Regionalereferate für den Pazifik und für den Nahen und Mittleren Osten ein schmerzlicher Prozess gewesen ist, und spricht in seinem zweiten Bericht einige Empfehlungen hierzu aus. Der Ausschuss
ermutigt
den Rat, weiterhin neue Wege der Zusammenarbeit mit den Regionen zu sondieren und sich um klarere Abmachungen mit den regionalen ökumenischen Organisationen zu bemühen.
3.13 Die Geschichte der Ökumene erzählen
Zu den Arbeitsbereichen, die Veränderungen bewirkt haben, gehörten
das Ökumenische Forschungszentrum, das auch ein Beispiel für die weitere Zusammenarbeit zwischen dem Ökumenischen Zentrum in Genf und Bossey bei der effektiven Nutzung der Archive und Bibliotheken darstellt. Der Ausschuss befürwortet die Bereitstellung von Materialien an Kirchen in Brasilien, die zur Vorbereitung der Vollversammlung auf Gemeindeebene bestimmt sind. Der Rückgang finanzieller Mittel in einer Zeit, in der mehr und nicht weniger Kommunikation erforderlich ist, ist und bleibt eine fortwährende Herausforderung.
Internationale ökumenische Initiativen
3.14 Ökumenisches Begleitprogramm in Palästina und Israel (EAPPI)
Der Programmausschuss
bestätigt
die Arbeit des EAPPI als eine konkrete Demonstration solidarischen ökumenischen Beistands für die Kirchen im Heiligen Land und
schlägt
EAPPI als Modell für Struktur und Umsetzung künftiger Programmarbeit in den Dekadenschwerpunkten und anderen ÖRK-Bereichen
vor
.
Wie in dem kurzen Bericht über die Dekade zur Überwindung von Gewalt (s.o. 3.6) erwähnt, hat das EAPPI eine wichtige Rolle im Dekadenschwerpunkt für das Jahr 2002 „Beendigung der rechtswidrigen Besetzung Palästinas: Für einen gerechten Frieden im Nahen Osten“ gespielt und wird das auch weiterhin tun.
3.15 Ökumenische Initiative für HIV/AIDS in Afrika
Zu den Arbeitsbereichen, die Veränderungen bewirkt haben, gehörte, dass sichergestellt wurde, dass Menschen, die mit HIV/AIDS leben, bei der Diskussion über Programme und Konzepte wie auch bei der Entwicklung von Curricula zu HIV/AIDS für theologische Seminare präsent sind und über ihre Erfahrungen berichten. Die Herausforderung liegt darin, dass Kirchen bei der Bewusstseinsbildung und beim Kapazitätsaufbau zusammenarbeiten. Ein anderes großes Problem sind Verfügbarkeit und Kosten von Medikamenten. Bei der Ausarbeitung von Curricula sollte HIV/AIDS nicht aus dem übergreifenden Kontext der menschlichen Sexualität herausgelöst werden. Der Ausschuss
hielt fest
, dass das HIV/AIDS-Problem Menschen auf allen Kontinenten betrifft, auch wenn sich die ökumenische Initiative auf Afrika konzentriert.
4. Kommissionen und Beratungsgremien
Der Programmausschuss beschäftigte sich mit den protokollierten Diskussionen des Exekutivausschusses im Februar 2003 über Vorschläge zur Einrichtung zweier neuer Kommissionen: die Kommission der Kirchen für Diakonie und Entwicklung und die Kommission für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung. Angesichts der Reorganisation der Teams mussten die frühere Beratungsgruppe für regionale Beziehungen und die für ökumenisches Miteinanderteilen sowie drei Beratungsgruppen in Verbindung mit Gerechtigkeit, Frieden und Schöpfung – nämlich JPC, Jugend und Frauen – überprüft werden. Beratungsmechanismen für die betreffenden Programme sind wichtig. Im Hinblick darauf, dass alle Kommissionen und Beratungsgruppen gebeten worden sind, in dem Zeitraum bis zur Vollversammlung eine Überprüfung und Sebstbewertung vorzunehmen, und dass neue Kommissionen nur bis zur Vollversammlung bestehen werden,
empfiehlt
der Programmausschuss dem Zentralausschuss:
4.1 den Beschluss des Zentralausschusses von 1999, nach der Achten Vollversammlung Beratungsgruppen für Regionale Beziehungen sowie für Ökumenisches Miteinanderteilen, Gerechtigkeit, Frieden und Schöpfung, Jugend und Frauen einzusetzen, angesichts der internen strukturellen Veränderungen rückgängig zu machen;
zwei neue Kommissionen einzurichten - die Kommission der Kirchen für Diakonie und Entwicklung und die Kommission für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung;
4.2 den Nominierungsausschuss des Exekutivausschusses zur Überprüfung der Zusammensetzung dieser Kommissionen zu ermächtigen und deren Mitgliedschaft dem Zentralausschuss zur Billigung vorzulegen.
5. Finanzielle Erwägungen
Der Programmausschuss begrüßte die Anwesenheit von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Teams für Finanzen, Haushalt und Planung, die zu Beginn der Sitzung über die Haushaltsergebnisse von 2002, die gegenwärtige Finanzlage Ende Juli 2003 und erste Haushaltsaufstellungen für 2004 informierten.
Der Programmausschuss begrüßte auch den signifikanten Anstieg der Zahl von Mitgliedskirchen, die im Jahr 2002 ihren Beitrag entrichtet haben, ist sich aber im Klaren darüber, dass die Ergebnisse noch kein Grund zur Zufriedenheit bieten und dass die von der Vollversammlung in Harare festgesetzte Zielsumme von sfr 10 Millionen an Mitgliedsbeiträgen bis zur nächsten Vollversammlung noch nicht erreicht ist. Der Ausschuss bat auch um Informationen über die längerfristigen Aussichten für die Zeit, wo es nicht mehr möglich sein wird, wie bisher zweckbestimmte Programmmittelsalden in Anspruch zu nehmen.
6. Arbeitsweisen
Der Programmausschuss hat die Berichte über Programmaktivitäten und über Tagungen der Beratungsgremien überprüft und stellte fest, dass es im Zusammenhang mit unseren Arbeitsweisen eine Reihe von gemeinsamen Anliegen gibt.
6.1 Angesichts der Zeitspanne zwischen den Tagungen der Kommissionen und Beratungsgremien ist es erforderlich zu überprüfen, wie sie zwischen ihren Tagungen arbeiten können. Konsultationen mit dem Vorstand, Einrichtung von Kerngruppen und Rückgriff auf Telefonkonferenzen werden bereits angewandt. Der Programmausschuss
ersucht
darum, dass die Frage der „Arbeitsweisen“ zu einem Teil des Auswertungsprozesses gemacht wird, den die Kommissionen und Beratungsgremien im Vorfeld der Vollversammlung durchführen sollen.
6.2 In der Vergangenheit wurden ÖRK-Teams von anderen Gremien als dem Programmausschuss, wie beispielsweise dem Weisungsausschuss für Grundsatzfragen, zusätzliche Programmaktivitäten übertragen. Dies erschwert dem Programmausschuss die Erfüllung seines Mandats, die Programmarbeit des Rates zu beaufsichtigen. Diese zusätzlichen Aufgaben – die nicht unbedingt auch mit zusätzlichen Mitteln verbunden sind – verstärken den Druck auf die begrenzten finanziellen und personellen Mittel der betreffenden Teams. Der Programmausschuss
hält
für die bevorstehende Tagung
fest
, dass der Finanzausschuss und die Weisungsausschüsse für Grundsatzfragen solche Angelegenheiten, die programmatische Implikationen haben, bis Freitag, den 29. August, Mitte des Nachmittags dem Programmausschuss vorlegen.
6.3 Der Ausschuss stellte fest, dass infolge der Finanzschwierigkeiten wahrscheinlich mehr ÖRK-Tagungen im Norden stattfinden werden. Die Anwendung des Grundsatzes, Mitgliedskirchen, die ihre Beitragszahlung nicht entrichtet haben, keine Zuschüsse zu gewähren, wirkt sich auf die Teilnahme an Beratungsgremien aus. Es besteht die Befürchtung, dass hiervon primär Kirchen im Süden betroffen sind. Der Programmausschuss
akzeptiert
die Bedeutung der Zuschusspolitik und
beantragt
, dass Statistiken über die Folgen der Anwendung der Politik im Blick auf regionale Ausgewogenheit aufgestellt werden.
7. Auswertungsprozess
Der Programmausschuss hat mit Hilfe von Dokument PRO 9 erste Überlegungen zu den Auswertungsprozessen für die Programme angestellt, die Teil der Vorbereitung für die nächste ÖRK-Vollversammlung sein werden. In diesem Zusammenhang formulierte er einige Anliegen und Fragen, die in den bevorstehenden Sitzungen diskutiert werden.
Erster Bericht des Programmausschusses, Anhang I
DEKADE ZUR ÜBERWINDUNG VON GEWALT
VORSCHLAG ZU JÄHRLICHEN DEKADESCHWERPUNKTEN 2004-2006
Hintergrundinformationen zum Vorschlag geographischer Schwerpunkte
2004 – Vereinigte Staaten von Amerika
Begründung:
1. Die Kirchen in den USA sind mit der besonderen Situation konfrontiert, dass sie der Leib Christi im einflussreichsten Imperium der Welt sind. Unmittelbar nach dem Irak-Krieg haben sich US-Kirchen gegen den Krieg ausgesprochen, und zurzeit bemühen sie sich, das durch Gewalt und Ungerechtigkeit im Ausland wie im Inland entstandene Leid zu lindern. Doch bei Themen im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg und der Rolle der USA auf Weltebene gibt es kircheninterne Meinungsverschiedenheiten, und zugleich müssen sich die Kirchen im Inland immer häufiger mit Problemen wie Rassismus, Armut und Waffenbesitz auseinandersetzen.
2. Die USA sind sowohl militärisch als auch wirtschaftlich, politisch und kulturell das mächtigste Land der Welt. Die Regierung glaubt offenbar, die USA könnten es sich als Hegemonialmacht leisten, die Weltordnung zu missachten, eine Rechenschaftspflicht gegenüber den Vereinten Nationen abzulehnen und die Anliegen der Völker in aller Welt zu ignorieren.
3. Weltweit hat das Image der USA in den vergangenen Monaten erheblich gelitten. Krieg und Globalisierung haben die Hassliebe zu den USA noch verstärkt: Man liebt den materiellen Komfort und die Ideale der Freiheit und der Demokratie, und man hasst ungerechte Verhältnisse und das einseitige und arrogante Vorgehen in regionalen und weltweiten Angelegenheiten. Die Macht der USA ist real und kann nicht umgangen werden, doch die Gesellschaft der USA ist vielfältiger und komplexer als es das Verhalten der US-Regierung und die Medien vermuten lassen. Armut, Gewalt, verschiedene Formen des Rassismus, die Beziehungen zwischen Gruppen verschiedener Religionen, Migration und mangelnde Chancengleichheit im Bildungswesen und auf dem Arbeitsmarkt sind Probleme, die von Schlagzeilen und Bildern in den Medien leicht in den Hintergrund gedrängt werden. Zugleich gibt es aber auch ganz andere Ansätze und Modelle, die von Bewegungen in den USA entwickelt worden sind und leicht übersehen werden.
Ziele:
Der Dekadeschwerpunkt soll im Rahmen seiner Ziele Solidarität, Verständigung und Feier
·
Kirchen und Bewegungen, die sich in den USA für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen, stärken und ermutigen. Er soll sie in ihrem Beten und Handeln unterstützen und ihnen helfen, komplexe Zusammenhänge außerhalb der USA, wie sie von ihren Schwestern und Brüdern in aller Welt wahrgenommen werden, zu verstehen;
·
den Begriff der Einen Welt bekräftigen. In einem Zeitalter globaler Mobilität und Kommunikation sind gegenseitige Rechenschaft und Multilateralismus nicht nur Möglichkeiten, sondern entscheidende Voraussetzungen einer tragfähigen Zukunft. Ein Schwerpunkt USA kann dies anhand von Kirchen illustrieren, die Kontakt untereinander wie auch zu anderen Glaubensgemeinschaften halten;
·
den Dekade-Studienprozess durch eingehende Behandlung von Fragen wie Macht und Militarismus, sowie wiedergutmachende Gerechtigkeit und Gemeinwesenaufbau als Möglichkeiten zur Überwindung von Gewalt vertiefen;
·
die Kirchen in den USA und anderswo auffordern, miteinander und mit lokalen Partnern neue Ansätze für den Umgang mit Gewalt in ihren jeweiligen Gemeinschaften zu entwickeln.
Partner:
Nationalrat der Kirchen, US-Dekadeausschuss, Büros und Hilfswerke der Denominationen, Church World Service, US-Konferenz für den ÖRK und andere.
2005 – Asien
Begründung
: Asien ist nicht homogen, sondern vielfältig. Die Menschen in der Region unterscheiden sich in ihren sozialen, ökonomischen, politischen, kulturellen und religiösen Erfahrungen. In diesem gemischten Umfeld sind die Christen eine winzige religiöse Minderheit. Dennoch spielen Kirchen in der Region eine bedeutende Rolle – zum einen im Streben nach nationaler Entwicklung und zum anderen im Kampf für Gerechtigkeit und Frieden. Trotz Einschüchterung und Zensur durch den Staat haben die Kirchen Opfern von Ungerechtigkeit solidarisch beigestanden. Sie haben auch zur Entwicklung einer Kultur der Toleranz und Gewaltlosigkeit beigetragen.
Die Region ist ein Nährboden für zwischen- und innerstaatliche Konflikte, von denen einige schon seit Jahrzehnten andauern. Es ist eine Region intensiver Militarisierung. Potentielle Brennpunkte mit möglichen nuklearen Auswirkungen sind die koreanische Halbinsel, Taiwan und Südasien.
In der Region gibt es zahlreiche Konflikte zwischen Religionen und Ethnien, die zu Zwietracht, Gewalt und Vertreibung in großem Maßstab geführt haben. Daneben hat die Globalisierung traditionelle Lebensformen in Frage gestellt und die Mittelschicht und die Arbeiterklasse aufgesplittert, was zu erheblich mehr Ungerechtigkeit und wesentlich größeren Spannungen geführt hat.
2006 – Lateinamerika
Begründung:
In diesem Jahr findet die Vollversammlung des ÖRK auf dem Kontinent statt, genau zur Halbzeit der Dekade zur Überwindung von Gewalt. In den letzten Jahrzehnten hat Lateinamerika unbeschreibliche Gewalt erlitten. Zur gleichen Zeit haben die Kirchen beispiellose Bewegungen erlebt, spirituelle wie auch gesellschaftliche. Zusammen mit anderen Akteuren in der Gesellschaft haben sie sich an Denkprozessen und an der Suche nach Alternativen aus ihrer christlichen Sicht beteiligt. Ein reiches liturgisches Leben und eine reiche Spiritualität begleiten diesen Prozess hin zu einem würdevollen Leben. Die Dekade kann Solidarität mit den lateinamerikanischen Kirchen ausdrücken und gleichzeitig aus ihren Erfahrungen lernen.