Ökumenischer Rat der Kirchen
ZENTRALAUSSCHUSS
Genf, Schweiz
26. August - 2. September 2003
Dokument Nr.
GEN 5.1.1
Zur Beschlussfassung
Antrag der Eritreischen Orthodoxen Kirche Tewahedo auf Mitgliedshaft
Auf seiner letzten Tagung beschloss der Exekutivausschuss, die Aufnahme neuer Mitgliedskirchen erst auf der Tagung des Zentralausschusses im Februar 2005 wieder aufzunehmen. Der Ausschuss wird nun gebeten, eine Ausnahme für die Eritreische Orthodoxe Kirche Tewahedo zu machen. Diese Kirche war in der Vergangenheit durch die Äthiopische Orthodoxe Kirche Tewahedo Mitglied im Ökumenischer Rat der Kirchen (ÖRK). Daher geht es hier nicht um die Aufnahme eines neuen Mitglieds, sondern um die Anerkennung einer Änderung im kirchenrechtlichen und kircheninstitutionellen Status dieser Kirche.
Die Ursprünge des Christentums in Eritrea gehen auf die Begegnungen mit Händlern und Reisenden in den und aus dem Mittleren Osten zurück, die den alten Hafen in Adulis am Roten Meer benutzten. Ruinen alter Gebetshäuser legen auch heute noch Zeugnis von dieser Epoche ab. Die Eritreische Orthodoxe Kirche Tewahedo wurde 329 n. Chr. unter dem Hl. Frementius (Abba Selama), dem ersten Bischof von Abessinien (d.h. dem gegenwärtigen Eritrea und Äthiopien), gegründet. Höchstes Gremium der Kirche ist die Heilige Synode - der Rat aller Bischöfe und Erzbischöfe der Kirche unter dem Vorsitz des Patriarchen -, deren ausführendes Organ das Büro des Generalverwalters ist. Diesem obersten Leitungsgremium unterstehen die Diözesen in den verschiedenen Regionen des Landes. Diese wiederum bestimmen die Ausrichtung der Arbeit in den Unterdiözesen und Gemeinden bis hinunter zu den Dorfgemeinden. Die hierarchische Organisation gewährleistet, dass die Kommunikation zwischen den verschiedenen Ebenen in beide Richtungen problemlos verläuft. Dem Büro des Generalverwalters unterstehen mehrere Abteilungen, wie z.B. die Abteilung für Entwicklungsarbeit (einschließlich Bildung und Gesundheit), Spiritualität, Auslandsbeziehungen usw.
Die Kirche zählt 2,000,000 Gläubige in 1,500 Ortsgemeinden, in denen 15,000 Geistliche Dienst tun. Mehr als 3,000 andere hauptamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen arbeiten in den traditionellen kirchlichen Schulen, die allen Kirchen und Klöstern angegliedert sind, in landwirtschaftlichen Entwicklungsprojekten und anderen Bereichen. Die Kirche hat ihr eigenes theologisches Ausbildungsprogramm und ist gerade dabei, ein modernes theologisches College mit umfassendem Lehrangebot einzurichten. Die Zahl der Studenten, die sich gegenwärtig auf das Priesteramt vorbereiten, beläuft sich auf 1140. Frauen haben die Möglichkeit, an allen Bereichen kirchlichen Lebens, außer dem Priesteramt, teilzuhaben. Sie spielen eine aktive Rolle im klösterlichen Leben und haben freien Zugang zu den von der Kirche angebotenen traditionellen und theologischen Ausbildungsmöglichkeiten.
Die Eritreische Orthodoxe Kirche Tewahedo hat ihre Übereinstimmung mit der Basis des ÖRK durch eine von der Heiligen Synode im Oktober 1999 angenommene Erklärung zum Ausdruck gebracht, die am 5. Juni 2003 von der Heiligen Synode förmlich bekräftigt wurde. Die Kirche stimmt ebenfalls den neuen theologischen Kriterien zu, die als Voraussetzung für die Mitgliedschaft im ÖRK vorgeschlagen worden sind. Angesichts der gegenwärtigen sozialpolitischen und wirtschaftlichen Lage in Eritrea und Afrika sieht die Kirche die friedliche Beilegung von Konflikten und die Beseitigung von Krankheit, Hunger und Unwissenheit als wichtigste Aufgaben im Rahmen ihrer Mission an.
Die Eritreische Orthodoxe Kirche Tewahedo ist Mitglied der Gesamtafrikanischen Kirchenkonferenz. Sie gehört der ‚Familie’ der orientalischen orthodoxen Kirchen an und ist an Dialogen mit christlichen Kirchen verschiedener Konfessionen beteiligt.