Ökumenischer Rat der Kirchen
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26. Februar 2009
Versöhnung erfordert Wahrheitsfindung, Gerechtigkeit und Vergebung
Audio-Aufnahmen der Beiträge
Der Beitrag und die Rolle von Kirchen in Versöhnungsprozessen auf der ganzen Welt wurden auf einer internationalen ökumenischen Podiumsveranstaltung hervorgehoben, auf der am 19. Februar in Genf Experten/innen im Rahmen einer öffentlichen Anhörung zu Wort kamen.
Die Diskussion, die während der Tagung des Exekutivausschusses (16.-20. Februar) des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) stattfand, ist die erste einer Reihe von Beiträgen des ÖRK zum Internationalen Jahr der Versöhnung, das 2009 begangen wird.
Angesichts der zahlreichen und konvergierenden Krisen, von denen die Welt heute betroffen ist, sei die prophetische Stimme der Kirchen bitter nötig, sagte Pater Miguel d’Escoto Brockmann in seiner Videobotschaft zu Beginn der Veranstaltung. D’Escoto, Vorsitzender der 63. UN-Generalversammlung, erklärte, die Christen müssten sich mit einer klaren prophetischen Stimme zu Wort melden, weil jene Krisen ihre Wurzeln in einer fundamentaleren moralisch-ethischen Krise hätten.
Während die Wahrheitsfindung eindeutig eine Vorbedingung für Versöhnung sei, sei die Versöhnung ihrerseits eine Voraussetzung für dauerhaften Frieden, erklärte Pfarrer Kjell Magne Bondevik, ehemaliger Premierminister von Norwegen, der das Podiumsgespräch moderierte. Bondevik, der auch Vorsitzender der ÖRK-Kommission der Kirchen für internationale Angelegenheiten ist, wies aber auch auf das Dilemma hin, mit dem Gesellschaften im Hinblick auf Gerechtigkeit einerseits und Frieden andererseits häufig konfrontiert seien.
Für Pfarrer Dr. Setri Nyomi, Generalsekretär des Reformierten Weltbundes, ist es nicht möglich, zwischen Gerechtigkeit und Frieden zu wählen, da Frieden nicht ohne Gerechtigkeit erreicht werden könne. Nyomi wies auf die südafrikanische Wahrheits- und Versöhnungskommission und den Interreligiösen Rat von Liberia hin, die beispielhafte, aus dem Glauben schöpfende Beiträge zu Heilung und Versöhnung geleistet hätten. Heute, so Nyomi, stehen die Kirchen vor der Aufgabe, Gesellschaften zu versöhnen, die das besitzgierige Weltwirtschaftssystem zersplittert habe.
Erzbischof Silvano Tomasi, ständiger Beobachter des Vatikans bei der UNO in Genf, unterstrich die Rolle der Vergebung - einer inneren Verwandlung der Person - im Versöhnungsprozess. Er wies darauf hin, dass das Wort "Vergebung" in der Resolution der UN-Generalversammlung, die 2009 zum Internationalen Jahr der Versöhnung erklärt, nicht auftaucht, und betonte, Vergebung spiele bei der Versöhnung eine entscheidende Rolle. Sie öffne Türen zu Möglichkeiten, die Politik allein nicht eröffnen könne.
Pfarrerin Dr. Margaretha Hendriks-Ririmasse, stellvertretende Vorsitzende des ÖRK-Zentralausschusses berichtete über die konkreten Erfahrungen von Kirchen, die auf den indonesischen Molukken in interreligiöse Versöhnungsprozesse eingebunden sind. Zu Beginn des Konflikts zwischen christlichen und muslimischen Bevölkerungsgruppen auf den Molukken, der von 1999-2004 andauerte, hätten die Kirchen nicht gewusst, wie sie sich verhalten sollten, sagte sie. Sie hätten dann aber rasch reagiert und sich gemeinsam mit den muslimischen Gemeinschaften auf ihre lange Tradition gegenseitiger Hilfe und Zusammenarbeit besonnen.
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Der Ökumenische Rat der Kirchen fördert die Einheit der Christen im Glauben, Zeugnis und Dienst für eine gerechte und friedliche Welt. 1948 als ökumenische Gemeinschaft von Kirchen gegründet, gehören dem ÖRK heute mehr als 349 protestantische, orthodoxe, anglikanische und andere Kirchen an, die zusammen über 560 Millionen Christen in mehr als 110 Ländern repräsentieren. Es gibt eine enge Zusammenarbeit mit der römisch-katholischen Kirche.
Der Generalsekretär des ÖRK ist Pfarrer Dr. Olav Fykse Tveit, von der (lutherischen) Kirche von Norwegen.
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