Heute verwenden die orthodoxen Kirchen den 21. März des Julianischen Kalenders als Datum der Frühjahrs-Tagundnachtgleiche, während sich die Kirchen der westlichen Tradition – das heißt die protestantischen und katholischen Kirchen – in ihren Berechnungen auf den Gregorianischen Kalender stützen. Der Abstand zwischen den beiden Osterdaten kann bis zu fünf Wochen sein.
Alle Teilnehmenden an dem Seminar in Lviv, darunter orthodoxe, römisch-katholische und protestantische Theologen und Theologinnen aus zahlreichen Ländern Europas, unterstützten den Kompromiss, der 1997 auf einer Konsultation des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Aleppo, Syrien, vorgeschlagen worden war. Er läuft darauf hinaus, die Regel von Nizäa beizubehalten, aber zur Berechnung von Tagundnachtgleiche und Vollmond auf die exakten astronomischen Daten zurückzugreifen, die man heutzutage im Gegensatz zu früher genau berechnen kann.
Konkret gaben die Seminarteilnehmenden ihrer Hoffnung Ausdruck, dass die Jahre 2010 und 2011, in denen der Zufall der Kalender der Christenheit ein gemeinsames Osterdatum beschert, als eine Zeit genutzt werden mögen, in der sich alle Christen und Christinnen dafür einsetzen, "dass ein solcher Zufall nicht die Ausnahme bleibt, sondern die Regel wird", und sich für ein gemeinsames Osterdatum stark machen, das auf genauen astronomischen Berechnungen beruht und von allen Christinnen und Christen am 8. April 2012 gefeiert wird.
Die Teilnehmenden des Seminars mit dem Titel "Ein gemeinsames Osterdatum ist möglich" haben jedoch nicht die Augen vor dem verschlossen, was sie als das "Hauptproblem" betrachten: "nicht die Berechnungen an sich, sondern die komplexen Beziehungen und der durch die langen Spaltungen verursachte Vertrauensmangel unter den verschiedenen christlichen Denominationen". Der französische orthodoxe Theologe Prof. Antoine Arjakovsky, Direktor des Instituts für ökumenische Studien, hob hervor: "Die astronomischen Berechnungen der Regel von Nizäa kommen dem Gregorianischen Kalender zwar näher als dem alten Julianischen Kalender. Dennoch sind auch die römisch-katholische Kirche und die protestantischen Kirchen einen Schritt weit auf die orthodoxen Kirchen zugegangen, als sie sich damit einverstanden erklärten, das Osterdatum nach einem kosmischen Kalender zu berechnen und nicht ausgehend von einem festen Datum, wie es vor der interorthodoxen Begegnung 1977 in Chambésy vorgeschlagen worden war." Weitere Rednerinnen und Redner bei dem ökumenischen Seminar waren Pfarrerin Dr. Dagmar Heller, Dozentin am Ökumenischen Institut Bossey und Programmreferentin im Sekretariat der ÖRK-Kommission für Glauben und Kirchenverfassung, der Jesuitenpater Milan Zust, Mitarbeiter des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, sowie Prof. Konstantin Sigow, Direktor des Hl.-Klemens-Zentrums in Kiew, Ukraine. Neben den Studierenden des Instituts für ökumenische Studien – einer gemeinsamen Einrichtung der Ukrainischen Katholischen Universität, der Nationalen Universität von Lviv und einer Reihe von weiteren europäischen Hochschulen – nahmen Vertreter und Vertreterinnen der größeren Kirchen am Ort teil: der ukrainischen orthodoxen Kirchen der Patriarchate Moskau und Kiew wie auch der Autokephalen Orthodoxen Kirche in der Ukraine, der griechisch- und römisch-katholischen Kirchen, der Armenischen Apostolischen Kirche, der Baptistengemeinden und der evangelischen Gemeinschaften. Häufig gestellte Fragen zum Osterdatum: http://www.oikoumene.org/?id=3169&L=2 Vorschläge der Aleppo-Konsultation (auf Englisch): http://www.oikoumene.org/?id=2678&L=2 Mehr Informationen zum Seminar (Website der Ukrainischen Katholischen Universität): http://www.ecumenicalstudies.org.ua/eng/ies_activity/one.easter/ Weitere Informationen: Juan Michel,+41 22 791 6153 +41 79 507 6363 media@wcc-coe.org